Wann Influencer Marketing sinnvoll ist und wie man mit Influencern kooperiert, behandelten die ersten beiden Teile dieser Serie. Allerdings sind im Umgang mit Bloggern, YouTubern und Instagrammern noch einige Feinheiten zu beachten. Unternehmen, die dies nicht tun, laufen Gefahr, wichtige Markenbotschafter zu “vergraulen” und sich den Weg zu einer Kooperation selbst zu verbauen.

Influencer Marketing (Quelle: Pixabay)

1. Influencer arbeiten nicht gratis

Wer als Influencer Erfolg hat und damit eine für Unternehmen interessante Zielgruppe bedient, macht keine kostenlose Werbung für selbige Unternehmen. Es gibt eine Reihe von bewährten Kooperationsformen, für welche Influencer zumindest ungefähre Preisvorstellungen haben (siehe Teil 2). Ganz wichtig: Die Teilnahme an einem Event o. ä. inklusive Flug, Hotel und Dinner gilt für die allerwenigsten Blogger als Vergütung für einen Bericht über eben jenes (wenn auch noch so spaßige) Event.

2. Influencer wollen seriöse Kooperationen

Influencer sind keine Hobby-Schreiber oder -Filmer, die sich geehrt fühlen, wenn ein großes Unternehmen anfrägt. Sie sind vielmehr professionelle Website-Betreiber oder Social-Media-Manager (viele in Vollzeit) mit allem, was dazugehört: Schreiben von Texten, Planung von Social-Media-Aktivitäten, Erstellen von Bildern und Grafiken, technische Betreuung, Layout-Überarbeitung, Betreuung von Affiliate- und sonstigen Kooperationen, Moderation von Kommentaren, Online-Marketing, Suchmaschinenoptimierung, Web-Analyse. Würde ein Influencer dies nicht auf professionellem Niveau betreiben, wäre er nicht erfolgreich und damit nicht im Blickfeld von Unternehmen. Anfragen bekommt er deshalb genug und sortiert die unseriösen sofort aus.

3. Influencer geben nur ehrliche Empfehlungen

Aus der Sicht von Unternehmen sind Influencer oft schockierend ehrlich. Sie wollen einen Blogger überzeugen, über Fotokamera der Marke x einen Bericht zu schreiben? Die Antwort: “Ich benutze seit Jahren Marke y und würde nie zu Marke x wechseln.” Oder: Sie schicken eine Kamera der Marke y. Der Testbericht: “Das Vorgängermodell war deutlich besser.” Das hat einen einfachen Grund: Das größte Kapital eines Influencers ist seine Zielgruppe, die ihm zu 100 % vertraut, und die sofort hellhörig wird, wenn ein Beitrag nicht ehrlich klingt. Der Influencer wird sich also nicht selbst seine Erfolgsgrundlage entziehen. Das sollten Sie schon beim Anbahnen einer Kooperation bedenken: “Könntest du einen Artikel schreiben über die Vorteile von Krankenversicherung xy?” wird wahrscheinlich zu einer Absage führen. “Könntest du darüber schreiben, was man bei der Wahl einer Krankenversicherung bedenken sollte und in dem Zug auch xy nennen?” hat dagegen mehr Chancen auf eine Zusammenarbeit. Eine Absprache über den Inhalt des Artikels sowie eine Freigabe vonseiten des Unternehmens kann und soll natürlich trotzdem erfolgen.

4. Influencer hassen PR-Mails

Schicken Sie keinem Influencer unangekündigt eine Pressemeldung, eine Aufforderung, an einer Aktion teilzunehmen oder eine andere Art von standardisierter PR-Nachricht. Im besten Fall ist der Adressat genervt, im schlimmsten Fall kommen sie auf seine schwarze Liste der No-Go-Kooperationspartner. Wenn Sie eine Kooperationsmöglichkeit sehen, schlagen Sie diese konkret vor oder fragen Sie allgemein nach den üblichen Kooperationsmöglichkeiten und den üblichen Preisen dafür. In jedem Fall muss Ihre Anfrage persönlich auf den Blogger zugeschnitten sein.

5. Influencer wollen keine unnötigen Fragen beantworten

Fragen Sie nicht nach den monatlichen Blogbesuchern, wenn der Blogger bereits ein Mediakit zum Download zur Verfügung stellt. Schlagen Sie kein Gewinnspiel vor, wenn der Blogger dies unter dem Navigationspunkt “Kooperationen” ausdrücklich ausschließt. Und fragen Sie vor allem nicht nach einem Bericht über eine New-York-Reise, wenn das Thema des Blogs Südamerika ist. Ein kurzer Scan, ob der Blog zu Ihrer Zielgruppe und Ihrer Kooperationsidee passt, dauert wenige Minuten, und ist ohnehin notwendig. Sonst investieren Sie am Ende Zeit und Geld in eine Aktion, die an der Zielgruppe vorbeigeht.

6. Influencer sind eigen, aber treu

Bei aller Professionalität sind Influencer eben doch Individuen, oft mitsamt ihren ganz speziellen Eigenheiten. Ob das daran liegt, dass man als Blogger/YouTuber/Instagrammer meist eine One Man Show ist oder der Beruf gleichzeitig die größte Leidenschaft ist, sei dahingestellt. Fest steht, dass ein angenehmer persönlicher Kontakt sehr wichtig ist. Das Folgen des Blogs in den sozialen Medien, ein paar Likes und hier und da ein Kommentar sollte dieser Kontakt dem Unternehmensvertreter wert sein. Dadurch gewinnen Sie das Vertrauen des Influencers und bauen bereits für weitere Kooperationen vor. Dem Influencer geht es nämlich wie Ihnen: Lieber macht er drei Kooperationen mit einem bewährten Partner als jedes Mal eine neue anzuleiern.

7. Influencer werden am liebsten geduzt

Natürlich haben sie nichts gegen eine höfliche Ansprache. Das “Du” ist allerdings üblicher und daher auch die geeignete Anredeform beim Anbahnen von Kooperationen.

8. Influencer vergeben (meist) keine Follow-Links

Influencer Marketing hat als Linkbuilding-Maßnahme, so verlockend es auch scheinen mag, keine großen Erfolgsaussichten. Ausnahmen bestätigen die Regel, normalerweise werden aber alle Links von der Seite des Influencers mit “nofollow” versehen und haben somit keine direkten Auswirkungen auf die SEO-Performance. Der Hauptgrund für Influencer Marketing ist, wie in Teil 1 erklärt, eben das Branding, nicht das Linkbuilding.

9. Influencer kennzeichnen Kooperationen als solche

Blogger-KodexViele Influencer, vor allem Blog-Betreiber im deutschsprachigen Raum, arbeiten nach dem Blogger-Kodex – zu erkennen an einem Siegel auf dem Blog. Der ganze Kodex, welcher viele der hier beschriebenen Punkte enthält, ist auf der zugehörigen Website reiseblogger-kodex.com nachzulesen. Unter anderem verpflichten sich Influencer darin, alle Beiträge, für die sie Honorar erhalten, mit “Sponsored Post” oder einem ähnlichen Zusatz zu kennzeichnen. Auch viele Influencer, die nicht das Blogger-Kodex-Badge auf ihrer Website haben, halten sich daran. Schleichwerbung wird also nicht gemacht – was jedoch kein Nachteil ist: Der Nutzer wird sich freuen, einen Beitrag, der ihm einen hohen Mehrwert bietet, mit einem Unternehmen in Verbindung bringen zu können.

10. Die größten Influencer sind nicht immer die geeignetsten

Ob Blogger, YouTuber oder Instagrammer: Einige Influencer sind richtige Stars geworden und erhalten dementsprechend Aufmerksamkeit in Zeitungen und Fernsehen. Dies bedeutet zwar, dass der Influencer außergewöhnlich hohe Follower-Zahlen, Blog-Besucher etc. vorweisen kann (und daher auch hohe Honorare verlangen kann). Es birgt aber auch die Gefahr, dass viele Fans nur noch aufgrund des Promi-Status folgen, aber nicht mehr zur Kernzielgruppe gehören und damit kaum Interesse an z. B. getesteten Produkten haben. Im Zweifelsfall tut man gut daran, sich eher am Zielgruppen-Fit als an den bloßen Zahlen zu orientieren.

Bei Interesse oder weiteren Fragen zum Thema Influencer Marketing freuen wir uns, Sie zu beraten. Kontaktieren Sie OMMAX.