Wie wirkt sich Mobile First auf die SEO-Rankingfaktoren aus? Wie wird die Sprachsuche auf Smartphones und Smart Speakern wie Amazon Echo und Google Home die Suchmaschinenoptimierung verändern? Und wie kann Machine Learning SEO-Mitarbeitern helfen, den neuen Anforderungen der Google AI gerecht zu werden?

SEO Day 2017

Am 12. Oktober fand im RheinEnergieSTADION in Köln der SEO Day 2017 statt. OMMAX war live dabei als die SEO-Szene bei interessanten Präsentationen und Diskussionen zusammenkam, um SEO für die neuen Herausforderungen fit zu machen.

Mobile first, Desktop second

Google verkündete bereits im letzten Jahr, dass es einen Switch des Index von Desktop auf Mobile geben würde. D.h. Webseiten werden primär nicht mehr vorrangig hinsichtlich ihrer Desktop-Version bewertet, sondern anhand ihrer mobilen Version.

John Mueller von Google bestätigte, dass der Mobile First Index bereits für mache Seiten getestet wird und betonte die schrittweise Umstellung in seiner Session auf dem SEO Day. Die signifikanten Ranking-Änderungen bei mobilen Rankings beweisen, dass dieser wichtige Meilenstein erreicht wurde und veranlasst nun auch “Late Adopter” sich dem neuen SEO-Zeitalter zu stellen.

Was sind die wichtigsten Änderungen für SEO durch Mobile First?

Die Umstellung auf den mobilen Index bedeutet für die Suchmaschinenoptimierung eine Orientierung hin zur Optimierung der Nutzererfahrung. SEO dreht sich nicht mehr nur um Keyword-optimierten Content, der in Quantität für Landing Pages generiert wird, Seitenstruktur, Page Rank und Backlink-Akquise – wie Dominik Wojcik in seiner Session “Next Level Tech SEO” herausstellte. Vielmehr rücken die Nutzererfahrung (UX) und die kontextspezifischen Suchintentionen in den Mittelpunkt. Neben einem von Florian Kientzler geforderten von Psychologie und Verhaltensforschung bestimmten Content Marketing sind somit vor allem technische Themen auf der Agenda:

  • Page Speed Optimierung für eine ansprechende UX auch im mobilen Netz
  • Personalisierung im Kontext (Suchintention, Gerät, Ort, Art der Suche und Sprache) sowie entlang der Customer Journey – wie im Detail von Florian Kientzler zum Thema “User Engagement” vorgestellt
  • Javascript Frameworks und deren Crawl- und Indexierbarkeit
  • Progressive Web Apps (PWA), Accelerated Mobile Pages (AMP, Instant) und deren Optimierung
  • Voice Search SEO für mobile Geräte und Smart Speaker wie Amazon Echo oder Google Home
  • App-Store-Optimierung, insbesondere zusätzlich für Amazon Skill und Google Actions für Smart Speaker
  • Predictive SEO und der Einsatz von Machine-Learning-Algorithmen, um Rankings zu verstehen und Effekte von Optimierungen vorherzusagen, wie Michael Weber in seiner Session anhand eines webbasierten Pythonskripts vorstellte

Alexa, Cortana, Siri, Google Assistant – wir müssen reden!

Gero Wenderholm strich in dem von den Teilnehmern zum besten gewählten Vortrag des SEO Day die neuen Herausforderungen im Umgang mit Sprachassistenten und Voice Search heraus. Dass sich Voice Search aufgrund seiner Vorteile für die Nutzer gegenüber der Textsuche (erwiesenermaßen schnelleres, stressfreieres und emotionaleres Suchen) durchsetzen wird, steht für Wenderholm nicht zur Diskussion. Laut ComScore werden im Jahr 2020 bereits 50% der Suchen via Voice Search erfolgen.

Die Unterschiede von Sprach- und Textsuche wirken sich stark auf den Fokus der Suchmaschinenoptimierung aus. So sind gesprochene Suchanfragen deutlich länger als Textsuchen, die im Großteil lediglich 1 bis 3 Wörter beinhalten. Für die Keyword-Optimierung rücken daher vor allem Long-Tail-Keywords in den Mittelpunkt, die weitreichende detaillierte Keyword-Recherchen notwendig machen. Auch W-Fragen sowie die Content Optimierung für Google Answer Boxes bzw. Featured Snippets werden deutlich an Bedeutung gewinnen. Vor allem Early Mover können sich hier Vorteile erarbeiten.

Marcus Tober von Searchmetrics wies in seinem Vortrag jedoch darauf hin, dass bei eigenen Tests mit 100 Fragen (Beispiel: “Wann ist der nächste Vollmond?”) 1. das fünfte organische Ergebnis statt der Google Answer Box vom Google Assistant vorgetragen wurde und 2. alle drei getesteten Sprachassistenten nur maximal ein Drittel der Fragen korrekt beantworteten. Besonders können dabei Structured Data, Local SEO, die Erstellung von Sprachassistenten-Skills sowie deren App-Store-Optimierung helfen, einerseits die Sprachassistenten zu trainieren und zu verbessern sowie andererseits frühzeitig den Markt der digitalen Sichtbarkeit zu besetzen.